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Der Ortsname

Auszug aus der Dorfchronik „Bullenkuhlen von 1588 bis heute. Chronik eines Holsteiner Dorfes. S. 86 ff“

 

Die Ortsnamen unserer Gegend sind zurückzuführen auf eine Besiedlung durch Aussiedler von der unteren Weser und der Bremer Gegend in den Jahren 1140 bis 1149. Bemerkenswert ist die Gleichheit einer Reihe von Ortsnamen in beiden Gebieten. Auch im Raum Bremervörde gibt es die Orte Bokel, Bevern, Langeln, Bramstedt usw. Während die Ortsnamen Bokholtz, Hanredder, Aspern, Grote Offensethe, Lütken Offensethe, Bekelßeßhe, Westerhorn, Osterhorn, Bokell, Brande, Lützhorn, Hede, Langlen, Hemding, Tienßen, Bewern, Sethe, Cöllingen und Barmstedt schon gebräuchlich waren, wurden die Ortsnamen Bullenkuhlen, Ellerhoop, Ekholt und Sparrieshoop um 1600 zum ersten mal in den Akten erwähnt.


Von abgabefreien Dorfvögten kann im Amte Barmstede, später Grafschaft-Rantzau, um 1600 noch keine Rede sein. Zum Besitz des Gutes Barmstete von 1582 - 1648 und den Grafen Rantzau von 1649 - 1726 gehörten unter anderem die große Bullenkuhlenwiese, die kleine Bullenkuhlenwiese, die Lusewinkelwiese und Schafwaschwiese.

 

Das Lexikon der Ortsnamen ins Schleswig-Holstein von Wolfgang Laur beschreibt den Namen Bullenkuhlen wie folgt:

1647/48 (LAS Abt.113.AR) Bullenkuhlen, Mejer 1650: Bullenkuhlen-"Kuhlen" oder "zu den Kuhlen wo Bullen waren" bzw. "gehalten werden". Hessmann macht allerdings darauf aufmerksam, dass z.B. in der Bullenkuhl im Lüneburgischen an den Quellen der Ilmenau ein Dorf versunken sein soll und das mit Flurnamen wir Bullenberg, Bullenbarg oft Sagen und Bodenfunde verbunden sind, so dass es sich fragt, ob nicht manche der mit der Tierbezeichnung "Bulle" zusammengesetzen Namen nicht ursprünglich eine kultische Bedeutung hatten.

 

Zwei weitere Thesen für die Entstehung des Namens stammen von Jochen Proll, der sich unter Anderem als Leiter des Barmstedter Museum mit seinen profunden Kenntnissen der Geschichte unserer Gegend einen Namen gemacht hat:

 

1. Ein noch heute bestehender Hof nahe der heutigen Rantzauer Wassermühle trug den Namen "Hinter der Burg bei der Bullernkuhl". Womit die Kuhle hinter der Wassermühle (oder auch einem entsprechenden Wasserfall an deren Stelle zu früherer Zeit) gemeint war, in die das Wasser hinein "bullerte". Allerdings ist Bullenkuhlen von diesem Ort 1-2 km entfernt.

 

2. Die andere These scheint sehr überzeugend zu sein, zumal sie sich mit den als "Exactus protocolli" dokumentierten Torftransporten teilweise belegen lässt:
In früheren Zeiten bezeichnete man flache Boote, die dem Transport von Torf dienten, als Bullen! Wilhelm von der Lieth (1885 -1978) schildert z.B. in seinen von Rainer Brandt festgehaltenen Kindheitserinnerungen Torftransporte auf Bullen in Bremervörde.
Unter www.spiegel.de fand ich im Gutenberg Projekt noch einige Hinweise, allerdings ohne genauere Ortsangaben. Sicher gab es regionale Unterschiede beim Bau und Betrieb der Bullen. Danach wurden die Bullen von Männern oder Pferden, die seitlich am Leinpfad gingen, gezogen. Die Bullen konnten auch zu Reihenverbänden zusammengebunden werden. Auf dem Bullen befand sich ein Schiffsknecht vorn am Schnabel des Schiffs mit einer Stange, um es vom Ufer abzustoßen.
Aus dem Bremervörder Raum schildert v.d. Lieth übrigens Schleusenklappen, die im Normalzustand den zu schnellen Abfluss des Wassers hemmten, jedoch vom Gewicht der Bullen niedergedrückt wurden, so dass sie darüber fahren konnten. Ob es so etwa hier auch gegeben hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Spätestens während der Krückaubegradigungen in den 1930er Jahren dürften alle Spuren verschwunden sein.

Quelle: Kindheitserinnerungen von Wilhelm von der Lieth (1885 -1978)
geschildert von Rainer Brandt

Die Bullen verbanden das Torf-Abbauland (Bullenkuhlen, Bevern, Seth und Cölln) mit der Elbe. Ob mit oder ohne Umladestationen (z. B. Vormstegen, Elmshorn) ist zurzeit nicht bekannt. Von der Elmshorner Mühle sind Beipässe (großräumige Umleitungen um das Wasserrad) bekannt, die die Schifffahrt trotz Mühlenstauwerk ermöglicht hätten. An der Elbe wurde wahrscheinlich auf größere Schiffe (Ewer oder Prähme) für den Transport nach Hamburg umgeladen. Torf war ein beliebtes und sehr verbreitetes Brennmaterial - besonders auch im Bäckerhandwerk. Diese Bullen konnten auf der schmalen Krückau nicht wenden (vorausgesetzt, sie waren nicht für die Fahrt in beide Richtungen konzipiert). Die schiffbare Krückau endete im Bereich der Barmstedter Wassermühle.


Soweit die Fakten. Die folgende Vermutung ist nicht mit Dokumenten belegbar, wirkt aber durchaus schlüssig:
 

Schaut man sich heute die örtlichen Gegebenheiten an, könnte diese Wendemöglichkeit für die Bullen - die Bullenkuhle -, im Bereich des Zusammentreffens der Barmstedter Schleusenau und Mühlenau gelegen haben. Unsere ältesten Bürger erinnern heute noch, das das heutige Wäldchen an der Schopwasch (von Bullenkuhlen gesehen rechts der Schnakentwiete) eine große Wiese war.


Eine 4. These sieht den Ursprung des Ortsnamens im ehemalige Ochsenpfad, auf dem quer durch das heutige Schleswig-Holstein Jahrhunderte lang Viehtriebe stattfanden. Barmstedt und Bullenkuhlen lagen direkt an diesem Pfad, und die Bullenkuhlener Niederung bei der Krückau mag damals als eine Art frühzeitlicher Rasthof fungiert haben. Für diese These spricht auch der Umstand, dass von Norden kommende Viehtriebe für eine lange Strecke keine größere Tränkmöglichkeit hatten.

Der Leser möge selbst urteilen, welche der Namensquellen er favorisiert.

 
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